Die Siedlung „Mineros San Juan Ushpa-Ushpa“ liegt 10 km südöstlich von Cochabamba. Hier leben rund 1.500 Familien unter marginalen ökonomischen Bedingungen. Diese Siedlung wurde im August 2001 von ehemaligen Minenarbeitern, die nach Cochabamba migriert sind, gegründet. Die Entwicklung von Ushpa-Ushpa folgt in vieler Hinsicht einem Muster, das typisch für die Entwicklung südamerikanischer Städte ist. In der Regel beginnt es mit einer kleinen illegalen Ansiedlung, die sich nach und nach ausdehnt, um dann von der benachbarten Stadt als "Stadtteil" anerkannt zu werden.
Aufgrund ihres illegalen Status mangelte es Ushpa-Ushpa praktisch an einer Infrastruktur und an allen Versorgungseinrichtungen. Erst im Jahr 2004 wurde die Siedlung provisorisch an das elektrische Netz von Cochabamba angeschlossen. Wasser wird weiterhin in Frischwassertanks angeliefert und muss an einer zentralen Stelle geholt werden. Es gibt weder Abwasser- noch Müllentsorgung.
Zu Beginn wohnten die Menschen in Ushpa-Ushpa ausschließlich in Hütten, die aus Holz, Plastik oder anderen verwertbaren Abfällen erbaut wurden. Nach und nach sind einfache Erd- und Ziegelhäuser errichtet worden, die die Lebensqualität etwas verbessern. Die Einwohner sind größtenteils Tagelöhner und Saisonarbeiter. Männer arbeiten gewöhnlich auf dem Bau und Frauen waschen Wäsche. Durchschnittlich haben die 1.500 Familien jeweils 4-6 Kinder, wobei die Eltern – verglichen mit den entwickelten Ländern – sehr jung sind. Die Zahl der Analphabeten im Erwachsenenalter ist hoch; die gesprochenen Sprachen sind Spanisch sowie Aymara und Quechua, Sprachen aus der (Vor-) Inkazeit.
Der Gesundheitszustand der Menschen in Ushpa-Ushpa liegt unter dem Standard. Atemwegs- und Durchfallerkrankungen sind weit verbreitet und fordern besonders unter den Kindern immer wieder Todesopfer. Die Gründe dafür sind unzureichende Ernährung und die hygienischen Bedingungen.
Die lokale "Sankt Vincent von Paul"-Gesellschaft hat 2001 eine Gesundheitsstation in Mineros San Juan eingerichtet: hier boten sie medizinische und zahnärztliche Grundversorgung, Nachhilfeunterricht sowie die Verteilung von Mahlzeiten und Kleidung an.
Im Februar 2004 trafen sich die "Sankt Vincent von Paul"-Gesellschaft – unter der Leitung von Osvaldo Castro – und Christian Rühmer und begannen die Planung für den Bau und den Betrieb einer Kindertagesstätte in Ushpa-Ushpa. Wenige Wochen danach begann der Bau und schon im Dezember 2004 konnten die Türen für die ersten 100 Kinder geöffnet werden. Das Gebäude hat eine Fläche von 450 Quadratmetern und kostete ca. 40.000 US-Dollar.
Bereits nach einem halben Jahr des Betriebes hatten wir die nächsten Schritte geplant und beschlossen, den Kindergarten zu erweitern. Zum einen wollten wir die Möglichkeit haben, noch mehr Kinder zu betreuen und zum anderen wollten wir auch die medizinische Versorgung ausbauen. Das Erweiterungsgebäude mit weiteren 400 Quadratmetern über zwei Stockwerke wurde im Frühjahr 2006 fertiggestellt.
In einem nächsten Schritt haben wir einen Fünf-Jahres-Plan erstellt, der das Ziel hatte, die gesamte Entwicklung in Ushpa-Ushpa zu verbessern. Dank der hervorragenden und großzügigen Hilfe der deutsch-österreichischen Hilfsorganisation "Börsianer Handeln e.V." konnten wir schnell mit der Umsetzung des Fünf-Jahres-Planes beginnen. 500 Meter oberhalb des Kindergartens entstehen ein großer Schulkomplex und ein Weiterbildungszentrum. Im Dezember 2007 wurde der erste von vier Bauabschnitten fertiggestellt, in dem seit Februar 2008 600 Schüler die 1. bis 9. Klasse besuchen.

Mindestens vier Mal im Jahr organisieren wir Veranstaltungen in der Gemeinde, um die vergangenen Ereignisse zu feiern und für die anstehende Aufgaben weiter zu motivieren.